Ein langes Wochenende an der Ostsee
April 2025
Die Tour sollte eine Art Generalprobe für das Nordkap werden. Einfach
mal mit kompletter Ausrüstung ein paar Tage unterwegs sein. Schauen, wie
sich das Rad mit Gepäck fährt, ob alles seinen Platz hat und ob auf der
Packliste noch etwas fehlt.
Wobei sich meine Packliste ohnehin kaum unterscheidet – ob vier Tage
oder vier Wochen unterwegs, vieles fährt einfach immer mit...und ist dennoch nicht zu viel.
Sogar das Wetter hatte offenbar beschlossen, uns schon einmal auf den
Norden einzustimmen. Immer wieder Regen, dazu nachts nur 7 bis 9 Grad.
Nordkap-Light sozusagen.
Mit dem Zug ging es zunächst nach Wismar. Zwei Umstiege standen auf dem
Plan, und wie so oft schwang die leise Sorge mit, ob wir samt Fahrrädern
überhaupt mitkommen würden. Doch diesmal lief alles glatt. Am frühen
Abend erreichten wir Wismar und radelten noch die ersten 22 Kilometer
bis zum Haffcamp.
Dort bekamen wir völlig unkompliziert einen Platz auf der Zeltwiese.
Vermutlich war es den meisten Menschen schlicht zu frisch, denn wir
waren die einzigen Zelter weit und breit – umgeben von einer Wagenburg
aus Wohnmobilen und Wohnwagen.
Nach einer ziemlich frischen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück ging
es am nächsten Morgen weiter. Rund 63 Kilometer immer entlang der Küste.
Malerische Dörfer, Höfe mit Wasserbüffeln, kleine Promenaden und immer
wieder der Blick aufs Wasser begleiteten uns. Die Strecke führte durch
den Gespensterwald, vorbei am Warnemünder Leuchtturm und dem Teepott,
bevor wir mit der Fähre nach Markgrafenheide übersetzten.
Dort schlugen wir auf dem Campingplatz unser Lager auf. Bevor es ins
Zelt ging, musste natürlich noch ein Abstecher an den Strand sein.
Anschließend gab es in der Tenne herrlich knusprige Bratkartoffeln –
Radfahrerfutter vom Feinsten.
Mit einem zusätzlichen Pullover im Gepäck verlief auch die zweite Nacht
deutlich angenehmer. Am nächsten Morgen wartete bereits das nächste
Highlight: der Darß.
Auf diesen Abschnitt hatte ich mich besonders gefreut. Der Darßwald hat
für mich etwas Magisches. Vielleicht liegt es am Licht zwischen den
Bäumen, vielleicht an den knorrigen Wegen oder einfach daran, dass man
dort automatisch langsamer wird.
So wurden aus dem Tag rund 65 Kilometer voller Küstendörfer, langer Strände, bunter Souvenirläden und sogar eines Pferderennens direkt am
Strand. Natürlich führte die Strecke auch durch den Darßwald.
Zum Abendessen landeten wir in einem
kleinen Restaurant in Prerow. Von außen eher unscheinbar, an einer
Straßenecke gelegen. Einer dieser Orte, an denen man beinahe
vorbeifahren würde – und hinterher froh ist, es nicht getan zu haben.
Das Essen war fantastisch.
Auch die Übernachtung verlief wieder völlig unkompliziert. Nach einem
kurzen Anruf bekamen wir eine Wiese mit bestem Blick auf den Bodden
zugewiesen. Als wir ankamen, waren wir erneut die einzigen Zelter und
konnten uns großzügig ausbreiten. Später gesellte sich noch ein weiteres
Zelt dazu.
Ansonsten herrschte Ruhe. Richtige Ruhe. Nach einem Glas Wein mit Blick
aufs Wasser krochen wir zufrieden in die Schlafsäcke und waren kurze
Zeit später eingeschlafen.
Die letzte Etappe führte uns schließlich nach Stralsund. Noch einmal
knapp 62 Kilometer.
Passend zum Tourenfinale zeigte sich nun endlich auch das Wetter von
seiner freundlichen Seite. Die Sonne ließ sich blicken und begleitete
uns auf den letzten Kilometern.
Nach weiteren zauberhaften Dörfern, Küstenabschnitten und vielen schönen
Ausblicken erreichten wir Stralsund und verbrachten den Nachmittag am
Hafen. Schiffe beobachten, Fischbrötchen essen und einfach noch ein
wenig die Atmosphäre genießen – ein würdiger Abschluss dieser kleinen
Testtour.
Die Rückfahrt mit dem Zug verlief diesmal überraschend entspannt. Unser
Waggon war nahezu leer, die Fahrräder fanden problemlos ihren Platz und niemand
musste Tetris mit Gepäckstücken spielen.
So ging es zufrieden zurück nach Hause – mit vielen schönen Eindrücken,
einer bewährten Packliste und der Gewissheit, dass die Nordkap-Vorbereitung auf einem guten Weg ist.