Regen, Regen, Regen...
Regenbekleidung –
ein leidiges Thema
Regenbekleidung gehört zu den Themen, bei denen man schnell den
Überblick verlieren kann.
Die perfekte Lösung? Falls du sie findest, gib mir bitte Bescheid. Ich suche nämlich noch.
Und trotzdem habe ich inzwischen das eine oder andere (günstige) Setup
gefunden, das in bestimmten Situationen erstaunlich gut funktioniert.
Die erste Frage lautet eigentlich gar nicht:
Welche Regenjacke soll ich kaufen?
Sondern:
Was habe ich überhaupt vor?
Oder vielleicht noch wichtiger:
Wie hart im Nehmen bin ich wirklich?
Nirgendwo passt der Satz „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte
Kleidung.“ so gut wie beim Bikepacking oder beim Pendeln mit dem
Fahrrad.
Die Anforderungen sind allerdings sehr unterschiedlich. Was auf einer
mehrtägigen Bikepacking-Tour funktioniert, muss noch lange nicht die
beste Lösung für den täglichen Weg zur Arbeit sein. Und selbst beim
Pendeln gibt es Unterschiede.
Ziehen morgens bereits dunkle Wolken auf und der Wetterbericht verspricht stundenlangen Dauerregen, packe ich anders als an Tagen, an denen vielleicht nur ein kurzer Schauer droht.
Auch die Temperaturen spielen eine wichtige Rolle. Und natürlich die Frage, ob neben mir auch noch ein Rucksack trocken bleiben soll.
Deshalb gibt es bei mir nicht die eine Regenausrüstung, sondern verschiedene Kombinationen für unterschiedliche Einsatzzwecke. Mal geht es darum, möglichst trocken anzukommen. Mal steht ein kleines Packmaß im Vordergrund. Und manchmal möchte ich einfach nur vorbereitet sein, falls der Himmel spontan beschließt, seine Schleusen zu öffnen.
Die folgenden Berichte zeigen deshalb nicht die einzig wahre Lösung,
sondern die Ausrüstung, die sich für mich in den jeweiligen Situationen
bewährt hat. Vielleicht ist ja die eine oder andere Idee dabei, die auch
zu deinen Touren passt.
Pendeln
Ich mag es warm und trocken. Da bin ich sehr eigen.
Inzwischen habe ich das auf dem Fahrrad ganz gut im Griff. Tatsächlich
fahre ich mittlerweile sogar gern im Regen.
Selbst die vier Tage
Dauerregen in Schweden – und nein, das ist keine Übertreibung – waren
während des Fahrens erstaunlich gut auszuhalten.
Die eigentlichen Herausforderungen begannen immer erst dann, wenn ich
anhalten musste. Das Handy zum Navigieren herausholen, etwas essen oder
gar das Zelt auf- und abbauen – das war deutlich unangenehmer als das
Radfahren selbst.
Angefangen hat alles mit einem günstigen Regen-Set aus Jacke und Hose,
das ich vor einigen Jahren für die Gassirunden mit unserer Hündin
bestellt hatte.
Für Spaziergänge war es schon eher mittelmäßig. Zum Radfahren war es
komplett ungeeignet.
Meine Erfahrungen:
• riecht bis heute trotz mehrerer Wäschen intensiv nach Gummi
• die Hose ist sehr knapp geschnitten und sitzt auf dem Fahrrad
unangenehm
• die Jacke wirkt dagegen viel zu groß
• die Kapuze schränkt die Sicht erheblich ein
• wasserdicht war das Set zunächst durchaus
• allerdings schwitzte ich darin so stark, dass ich die Jacke oft nasser
auszog, als ich ohne sie geworden wäre
• über das Packmaß sprechen wir besser gar nicht erst
Mit zunehmenden Kilometern auf dem Fahrrad machte ich mir also mehr
Gedanken über Regenbekleidung.
Eine überraschend praktische Lösung war schließlich ein günstiger
Regenponcho von Decathlon. Den nutze ich bis heute gern und er durfte
sogar mit auf die Nordkap-Vorbereitungstour.
Was mir daran gefällt:
• zuverlässig wasserdicht
• relativ kleines Packmaß
• integrierte Packtasche
• Klettbänder und Fingerschlaufen gegen Flattern im Wind
• schützt auch den Po vor Spritzwasser
• ein Rucksack passt problemlos darunter
• die Kapuze lässt sich unter dem Helm fixieren und versperrt nicht die
Sicht
Bei normalem Regen bleiben durch die Sitzposition auf dem Rad sogar die
Beine erstaunlich lange trocken. Außerdem bin ich an den Beinen nicht
besonders empfindlich und habe auf Arbeit ohnehin immer Wechselkleidung
liegen.
Was mich deutlich mehr stört, sind nasse Füße.
In Schweden habe ich das teilweise ignoriert. Bitte nicht nachmachen.
Dauerhaft nasse Füße können zu ziemlich unangenehmen Entzündungen
führen.
linkes Bild:
links: Überzieher in Größe 41/42
mitte: mein Schuh in Größe 39/40
rechts: Überzieher in Größe 46/47 (...und passen dennoch nicht)
Für das Pendeln nutze ich deshalb inzwischen Neopren-Überschuhe.
Meine Erfahrungen:
• wasserdicht
• angenehm warm
• schützen zusätzlich vor kalter Zugluft
Der Haken: Die Größenangaben scheinen eher theoretischer Natur zu sein.
Bestellt sie lieber deutlich größer oder probiert verschiedene Modelle am besten direkt im Geschäft aus. Meine aktuellen Überschuhe sind XXL und fühlen sich, beim Anziehen, trotzdem jedes Mal an wie ein kleiner Ringkampf an.
Nieselregen
Auch ein Zufallskauf. Diese Jacke war ursprünglich für das Nordkap geplant. Damals noch naiv genug zu glauben, dass jede Regenjacke auch vor Regen schützt.
Funfact: Ich habe diese Jacke in rot und pink. In der roten Jacke bleibe ich bei Nieselregen tatsächlich recht trocken. In der pinken Jacke bin ich sofort nass.
Die waren extrem günstig. Da sie vor Wind schützen und die Rote, wie gesagt, auch etwas vor Regen sind sie im Alltag doch oft dabei. Die lassen sich halt extrem klein verpacken und passen einfach mal eben in die Hosentasche.
Für lange Regentouren oder starken Platzregen sind sie aber gänzlich ungeeignet.
Als Nächstes wird bei mir wahrscheinlich eine Regenhose einziehen –
vermutlich die City 100 von BTWIN. Die integrierten Schuhüberzieher
klingen vielversprechend.
Ich werde berichten.
Außerdem möchte ich mir den Regenponcho City 560 von BTWIN genauer
ansehen. Das Konzept ähnelt meinem bisherigen Poncho, allerdings mit
ausgearbeiteten Ärmeln. Das wirkt auf den ersten Blick sehr interessant.
Auch dazu gibt es irgendwann einen Erfahrungsbericht.
Nach der Nordkap-Tour werde ich mich außerdem durch verschiedene
Regenjacken testen.
Der große Vorteil eines Ponchos bleibt für mich
unschlagbar:
Er ist in Sekunden übergeworfen und schützt gleichzeitig
mich und meinen Rucksack.
Da ich inzwischen aber immer häufiger mit Packtaschen statt Rucksack
unterwegs bin, suche ich weiter nach der berühmten eierlegenden
Wollmilchsau – also einer Jacke, die Atmungsaktivität und Regenschutz
perfekt vereint, ohne dass ich dafür eine Niere verkaufen muss.
Zum Thema Wärme werde ich ebenfalls noch einen eigenen Beitrag
schreiben.
Die Kurzfassung lautet aber schon jetzt:
Merino.
Shirt, Socken, Unterwäsche.
Ja, man kann dafür eine Menge Geld ausgeben. Muss man aber nicht. Ich
habe inzwischen ein paar Spartipps gefunden, mit denen ich hervorragend
zurechtkomme.
Frieren war gestern.